Barts Blog Blog

Mesh-Köpfe und ein alternativer Ansatz

Momentan ist ja einer der Hypes in Second Life schlechthin die Arbeit und Einführung von geskripteten Mesh-Köpfen, die bisher noch ein kleines Vermögen kosten (6000 L$ muss man schon investieren) und dann gar zu drollig daher kommen. Beispiele dafür gibt es hier und hier, wie das aussieht.

Entwicklungstechnisch ist das nur logisch, dass diese Dinger früher oder später kommen mussten, denn immerhin tacker man sich schon lange Haare an den Kopf, dazu kommen auf Prims oder Mesh basierte Füße, Augen, Brüste, Schuhe und Hände sowie Kleidung, nun also eben ein Kopf, der die bisherigen Nachteile des alten Systemavatars beheben will und das Großteils auch schafft.

Endlich kann man den Kopf animieren, wie man lustig ist, Emotionen beliebig ausdrücken, und und und… solange natürlich die Sim mitmacht und das Ausführen von Skripten da zuverlässig funktioniert, das ist nämlich der Pferdefuß an der Angelegenheit. Da allerdings ein AO auch auf Sims funktioniert, die Skripte in der Ausführung nicht erlauben und die Möglichkeiten, um diese LSL-Einschränkung herum zu programmmieren schon lange bekannt sind – die AOs machten es ja erfolgreich vor – bin ich mir sicher, dass man auch in den Köpfen bei der Programmierung der massenweisen Skripten daran gedacht hat und das so implementierte.

Diese Köpfe stecken noch in den Kinderschuhen, aber machen wir uns nichts vor, sie werden bleiben und sich weiter entwickeln. Sie bringen vor allem eines: neue Möglichkeiten der Immersion, auf die viele ja stehen. Wer weiß, vielleicht gehört es eines Tages zum guten Ton, sich Meshköpfe an den Hals zu tackern, wie das schon auch bei Füßen und dergleichen mehr geschieht, man gewöhnt sich ja daran.

Übrigens ist die primäre Zielgruppe auch klar: modebewußte Frauenavatare. Oder habt ihr schon mal ein Demovideo mit einem Männerkopf gesehen? Ich bisher nicht, und es wundert mich auch nicht weiter, denn die immensen Entwicklungskosten für die Dinger wollen ja bezahlt werden.

Nun ist es so, dass im Grunde auch diese Dinger mal wieder vor allem eines zeigen: der Standardavatar ist in die Jahre gekommen und bietet einfach viel zu wenig persönliche Ausdrucksmöglichkeiten. Nun gibt es aber sehr viel an Inhalten, das auf dem Standardavatar basiert.

Wieso baut Linden Lab nicht an einem Avatar 2.0, der dann all das, was man bisher so nachrüsten muss, schon eingebaut hat und fertig? Das wäre mal eine schöne Sache, und ich bin mir da sicher, man könnte da etliches aus der Community erfahren, was es da für Vorschläge gibt.

Diesen Avatar 2.0 dann würde man optional einführen, also man entscheidet sich entweder für ein Herumlaufen mit der 1er-Version, und der Content der darauf aufbaut wäre weiterhin nutzbar oder für den Avatar 2.0. Der 2.0er-Avatar müsste dann nicht zwingend zum alten Content kompatibel sein, aber man lässt den Benutzern ja die Wahl und daher könnte man den bewussten Bruch mit dem alten Content riskieren, denn es wird ja keiner zu etwas gezwungen noch der alte Content unbrauchbar. Und darauf kommt es schließlich bei solchen Sachen an.

Der Avatar 2.0 käme dann mit einem voll ausgestatteten Körpertorso daher, also richtige Hände, natürlich animierbar, Füße, Köpfe usw. So in der Art eben.

Es gab ja schon interessante Projekte wie Puppeteer, wo es darum ging, den Avatar lebensechter zu animieren, aber irgendwie versandete das bei Linden Lab dann doch alles recht fruchtlos. Schade.

Deutsche Ermittler können Herausgabe von Cloud-Daten in den USA verlangen

Ich bin gerade bei Netzpolitik über einen Beitrag gestolpert, der über eine kleine Anfrage im Bundestag berichtet. Demnach gibt es Verträge mit den USA, aufgrund derer deutsche Ermittler die Herausgabe von Cloud-Daten in den USA verlangen können und das auch bekommen. Anders herum geht es natürlich auch.

Wenn das mit der Cloud geht, dann geht das mit den in Second Life gespeicherten Daten natürlich erst recht, die Deutschen bekämen da sicherlich Amtshilfe seitens der USA, zumal bei Second Life genau bekannt ist, wo die Sachen gespeichert werden.

Second Life ist also auch da beileibe kein rechtsfreier Raum und der lange Arm der deutschen Ermittler dann doch länger, als man glauben mag.

Google Reader wird zum 1.7.2013 eingestellt

Google hat bekannt gegeben, dass das Produkt „Google Reader“ zum 1.7.2013 eingestellt wird. Das ist doch mal ein Schlag ins Gesicht der Benutzer dieses Dienstes, so auch meine Wenigkeit.

Ich habe den Reader immer sehr geschätzt und zum Lesen meiner Feeds genutzt, auch die Synchronisation aufs Smartphone war sehr angenehm und es gibt ein ganzes Ökosystem an Apps unter Android für dieses System. Das alles bricht nun weg.

Ansonsten gibt es nicht wirklich viel an brauchbaren, webbassierten Alternativen. Da sich um den Reader eine kleine, aber feine technikaffine Community gebildet hatte, ist der Verlust umso schmerzlicher.

Es zeigt nur einmal mehr deutlich eines: wirklich sicher sind nur die Dienste, die man selber aufsetzt und betreibt. In dem Sinne sollte ich mir vielleicht wieder eine Instanz von Tiny Tiny RSS installieren und damit glücklich werden. Mal schauen.

Frisch aus dem Archiv

Aus aktuellem Anlass habe ich mal ein wenig im Archiv gekramt und mir mal wieder den Thread „Gor RP und Rechtsradikales?“ durchgelesen. Das war seinerzeit in 2009 einer der größten Aufreger überhaupt gewesen.

Die damalige Hysterie, Diskussion und ihr Verlauf ist nach wie vor interessant und es kann nicht schaden, sie sich mal wieder durchzulesen, denn das ist und bleibt eben ein Dauerbrennerthema. Und bekanntlich wiederholt sich die Geschichte ja.

Google Glasses, augmentierte Realität und die Folgen

Google arbeitet ja mit Nachdruck an einer speziellen, modernen Brille: in diese ist ein kompletter, kleiner Rechner auf Basis von Android eingebaut, dazu kommt ein Mobilfunkmodul und es ist möglich, beliebige Informationen in Echtzeit einzublenden und abzurufen. Gesteuert wird dabei diese Brille entweder durch unauffällige Bewegungen und Touchpad oder durch Sprachbefehle.

Die dabei angewandte Technik ist die eines Headup-Displays und man nennt das Verfahren auch gerne augmentierte Realität oder augmented reality. Augmentierte Realität selber ist schon ein alter Hut, denn diese ist vor allem mit Smartphones schon länger möglich, indem man sich die Gegend durch die Linse des Geräts anschaut und eine beliebige App wie Layar zusätzliche Informationen dazu einblendet. Google Glass aber treibt die augmentierte Realität nun auf die Spitze, denn während man ein Smartphone nicht ständig mit sich herschleppt, so trägt man die Brille doch meistens immer auf der Nase und nutzt sie einfach so ziemlich sicher ziemlich öfter.

Zusätzlich soll in das Gerät auch eine Kamera zur Orientierung und für Bildaufnahmen eingebaut sein. Nun ist das alles zwar noch in der Entwicklung, aber bereits Ende 2013 sollen die ersten Versionen im Handel für Endkunden erhältlich sein, und das zu einem Preis von ungefähr vermutlich 400 US$. Entwickler können bereits jetzt Prototypen für ca. 1.500 US$ erwerben.

Nun macht Google ja nichts aus reiner Nächstenliebe und warum sollte man ein Smartphone in eine Brille einbauen wollen? Da steckt doch sicher mehr dahinter, und in der Tat tut es das auch.

Zunächst einmal bedeutet solch eine Plattform, wenn die Brillen sich wirklich am Markt behaupten werden, eine zusätzliche Werbemöglichkeit für Google. Da Google im Grunde ja eine Werbeagentur mit angeschlossener Suchmaschine und lernenden Computern ist, ist das für Google nur konsequenterweise der nächste Schritt in der Durchdringung des Planeten. Mehr noch aber als bei den Smartphones wird man mit dieser Technik zu den Augen und Ohren des Suchgiganten.

Und das mit ungeahnten Folgen: denn angenommen wir sind im Jahr 2014 und die Brille hat sich weitestgehend durchgesetzt und wir führen mit jemandem ein Gespräch, der diese Brille trägt – wer garantiert einem dann, dass er nicht gerade in dem Moment das Gespräch mit der Brille aufzeichnet und für später irgendwo verwahrt? Zudem verfügt man über große Sprach- und Bilderdatenbanken, man kann automatisiert bereits diese Informationen sehr gut den jeweiligen Personen zuordnen, und ein Heer von Brillenträgern sorgt nur noch umso mehr dafür, dass Google Daten über einen ohne Ende sammelt in einer Art und Weise, die das viel gescholtene Facebook auf einmal wie eine harmlose Betschwester erscheinen lassen.

All das wird sehr bald Wirklichkeit werden und die Folgen davon sind unabsehbar; einerseits steckt in der Technik sehr viel Potential drin, um Nutzen zu entfalten, andererseits auch sehr viel Mißbrauchsmöglichkeiten. Vor allem ist hier Google mal Innovator, denn bisher scheint Apple und der Rest nichts vergleichbares in der Entwicklungsabteilung zu haben, während Google darüber schon offen länger berichtet und der Öffentlichkeit funktionsfähige Prototypen präsentiert. Apple baut dafür wohl an einer eigenen Uhr, aber diese ist längst nicht so spannend wie Googles Brille. Und auch die Folgen dieser Uhr sind längst nicht so gravierend wie bei dieser Brille.

Dazu kommt, Apple selber hat nicht Googles massiven Rechnerpark. Google selber hat geschätzt eine Million Server oder inzwischen mehr in Betrieb und überall auf dem Erdball massive Rechenzentren verteilt. Facebook selber hat bestenfalls ca. 180.000 Server in Betrieb. Also was auch immer da an Daten gesammelt wird, Google kann damit einen Haufen mehr anstellen als Facebook. Vermutlich kennt einen die Maschine nach genügend langem Gebrauch der Brille einen besser als man selbst oder die eigene Mutter es tut.

Wie schon gesagt, die Folgen sind schwer absehbar, aber wir werden es bald erleben. Ich frage mich nur, wie die Politik darauf reagieren wird, wenn der öffentliche Raum durch diese Dinger quasi unter Generalrundumüberwachung gestellt werden wird. Thilo Weichert wird wie immer poltern, Ilse Aigner wie immer schwer empört sein und dann doch nichts tun, und das war’s dann – am Ende kann dann Google doch machen, was es will und das ist nicht unbedingt nur gut für uns.