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Die ganze Welt ist eine Bühne
„Die ganze Welt ist eine Bühne, und alle Frauen und Männer bloße Spieler“ schrieb 1599 William Shakespeare in einem Theaterstück. Begreift man das Leben als Bühne, dann ist Second Life so etwas wie eine kleine Nebenbühne.
Es erklärt auch, warum so viele heutzutage diesen unbändigen Drang haben, entweder ständig Modefotos von sich zu publizieren oder aber ihr scheinbar perfektes Leben demonstrativ in Szene zu setzen. Letzten Endes ist das der Bühne geschuldet, denn wer auf eine Bühne tritt, der wird gesehen und will vor allem gesehen werden.
Die entscheidende Frage dabei ist, wer da nun eigentlich das Drehbuch schreibt – der Spieler, der Regisseur oder jemand unbekanntes? Man weiß es oft nicht so richtig. Nur eines ist oft klar: man spielt eine Rolle, oft um zu gefallen und Anerkennung zu finden.
Diese Rolle(n) aber, die man annimmt, hat oft wenig mit der Realität dahinter zu tun. Und hier beginnt dann das große Paradoxon: viele, die eine Rolle spielen, suchen in SL etwas Wahres, Unverfälschtes. Nur wie soll das gehen, wenn alle perfekt sind und eine Rolle spielen? Das funktioniert nur, wenn man die Fassade fallen lässt, zumindest ein Stück weit. Viele aber wollen eben genau das nicht, und werden daher in SL vieles finden, aber niemals etwas wirklich Wahres. Und das ist dann weniger die Schuld der Anderen, sondern des eigenen Verhaltens.
SL selber hat sehr viele Beziehungen gestiftet, aber auch sehr viele zerstört. Es kommt immer auf die Umstände an, und das, was man daraus macht. Und manche sind einfach auch nur damit zufrieden, die Welt zu entdecken und in ihrer eigenen, kleinen Nische eben Spaß zu haben. Für die trifft das weniger zu.
Klartext: Second Life und die Partnersuche
Man mag es nicht glauben, aber es gibt tatsächlich genügend Leute, die Second Life als Plattform für die Suche nach dem Partner fürs Leben verwenden.
Der Grund dafür mag simpel sein: durch die Avatare spielen viele einerseits eine Rolle, und präsentieren sich als verbessertes Selbst. Andererseits aber geben sie durch die Pseudonymität oft mehr von sich preis als im realen Leben, wodurch man den Gegenüber in gewissen Dingen schneller kennenlernen kann als auf üblichem Wege.
Das kann durchaus funktionieren; ich habe im Laufe meiner Zeit genügend Partnerschaften gesehen, die durch Second Life anfingen und in realen Hochzeiten endeten, aber auch das Gegenteil, nämlich Scheidungen bzw. das Ende von Partnerschaften.
Einer Sache aber sollte man sich meiner Meinung nach klar sein: der Schritt von Second Life ins reale Leben führt über einen großen und tiefen Graben. Wenn man es nicht schaffen sollte, diesen gemeinsam zu überwinden, dann wird das im realen Leben auch nicht klappen.
Der Grund dafür ist einfach: im wirklichen Leben reagiert der Mensch auf eine Vielzahl von bewussten und unbewussten Reizen, die dafür sorgen, dass einem das Gegenüber sympathisch ist oder nicht. Sei das nun z.B. Körperbau, Geruch, Körpersprache und anderes. All das findet in SL nunmal nicht statt.
Daher ist mein Rat aus langjährigen Erfahrungen und Beobachtungen ganz einfach dieser: sollte man wirklich mit jemandem an den Punkt angelangt sein, dass man mehr als nur SL will, sollte man offen darüber reden und sich zunächst einmal auf neutralem Gebiet, wie z.B. auf halber Strecke zwischen beiden Wohnorten in einem Cafe treffen. Entweder es funkt dann, und es kann in der Tat mehr daraus werden, oder aber nicht und man hat mit einem guten Freund getroffen.
Es wäre aber naiv vor einem realen Treffen anzunehmen, nur weil man sich gegenseitig in schwülstiger und vor Emotionen triefender Liebeslyrik in SL gegenseitig suhlt und den Gegenüber zur Liebe des Lebens erklärt, dass dies bereits als Basis für eine reale Beziehung ausreicht. Dazu gehört dann am Ende des Tages eben doch schon einiges mehr als das.
Und noch eines zum Schluss: einfacher ist die Partnersuche auf herkömmlichen Wege, denn in SL können die möglichen Auserwählten von überall herkommen. Auf normalen Wege aber ist die örtliche Nähe von Anfang an deutlich besser gegeben.

