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Heute jährt sich zum zehnten Mal der 11. September. Vor genau zehn Jahren passierte der Anschlag auf das damalige World Trade Center in New York City, der politisch gesehen die Welt veränderte und bis heute nachwirkt. Einiges an dem Anschlag ist noch nach wie vor nicht richtig aufgeklärt und die Verschwörungstheorien darüber schießen wie Pilze aus dem Boden, aber ganz egal wer nun hinter diesem Anschlag stand, ob Al-Qaida oder wie manche ja vermuten die US-Regierung, ganz einfacher Fakt ist und bleibt, dass damals nach offiziellen Angaben 2983 Menschen sinnlos das Leben verloren haben.

Nun ist der 11. September eines der Ereignisse, dass in der öffentlichen Wahrnehmung immer und immer wieder vorkommt. Das hat dann zur Folge, dass sich natürlich auch die Mitmenschen an das Datum erinnern und darüber trauern. Das ist menschlich, und wenn sie den Opfern gedenken wollen, dann sollen sie es auch tun. So war es gestern auch in GaD der Fall gewesen, einige gedachten bereits der Opfer und für mich persönlich ist das eine diffizile Abwägung. Die Gruppe hat sicherlich nicht den Fokus darauf und es hat nichts mit der Charta zu tun, aber mal im Ernst, soll man Trauernde noch treten? Ich finde nicht. Manche mögen sich dann daran stören, aber Trauer ist menschlich, sie gehört dann auch zu so einer Gruppe dazu und wenn es andere in einem solchen Fall stört, dann mögen sie einfach bitte ruhig bleiben, das gebietet alleine schon einem der Anstand.

Es war dann aber so, dass gestern jemand tatsächlich eine Diskussion über die vermeintlich wahren Hintergründe, die Ungereimtheiten und Verschwörungstheorien hinter dem 11. September anfangen wollte und da war dann bei mir sofort der Ofen aus. Die Opfer des Anschlags wurden politisch gesehen schon für so viel Müll missbraucht, da braucht es nicht am Vortage des Jahrestages noch eine Diskussion darüber, was denn tatsächlich dahinterstecken möge. Diese Diskussion aber wollte wer anfangen, und als es dann von mir die offizielle Meldung gab, dass ich alle Beiträge nach der Mitteilung in der Richtung mit Stummschaltung belegen werde, war Ruhe im Karton. Dafür ging dann die Diskussion in Egad los.

Zuerst einmal kam da das übliche Zensurgeschrei und ach, wie kann man nur. Nun, GaD ist eben primär nicht als Unterhaltungsgruppe für einige Personen gedacht, aber sie verhalten sich manchmal so. Und dann ging in Egad die Verschwörungsdiskussion los, die in GaD wegen meines Eingriffs nicht stattfand.

Meine Fresse, solchen Mist habe ich schon wirklich schon lange nicht mehr gelesen gehabt und es war eine eindrucksvolle Bestätigung, dass mein Nein richtig war. Da war wirklich alles an Argumenten dabei, was man sich nur vorstellen kann. Es fing damit an, dass die Zahl der Opfer geschönt sein könnte. Jemand ließ sich zu der Bemerkung hinreißen, wenn man trauern wolle, dann traueren sie fortan für jeden, der beim Aufhalten von Hitler gestorben sei, dann könnte man das jeden Tag machen. Gaga, was ein Argument, dass es wegen so etwas Trauertage gibt scheint man nicht zu wissen. Weiter ging es über das Totschlagargument, wer wegen einer Lüge trauere, der solle SL aus lassen und wer wegen einer Lüge wie 9/11 trauere, dem ist ohnehin nicht zu helfen, da ist ein Youtubelink und guckst du - das ist die Wahrheit!

"Nett" war auch die Argumentation, es wäre Eigenverschulden der USA gewesen und die USA hätten Bin Laden dafür bezahlt, andere halten Al-Qaida gleich ganz für eine Erfindung der USA, wieder welche zweifelten gleich ganz daran, dass Bin Laden überhaupt etwas damit zu tun hatte, denn wieso bitte haben sie die Flugzeuge nicht dann in die Twin Towers gerammt, als mehr Leute in den Büros waren? Und lauter ähnlicher Mist mehr, dazu dann noch wo die Lichterketten für die Taliban blieben, die von den Amis mißhandelt und gefoltert wurden.

Es war ein erschreckendes Panoptikum dessen, zu welchen unterirdischen, intellektuellen Tiefflügen der menschliche Geist fähig ist, es war in gewisser Weise eine Schändung der Toten vom 11.9. und zeigte mir eindrucksvoll: mein Bauchgefühl, genau so eine Diskussion besser abzuwürgen, hatte mich nicht getrogen.