Zugegeben, die Überschrift ist ein wenig sperrig, der Inhalt ist aber schnell erklärt: es gibt bei Hypergrid Business und New World Notes einige Posts der Autoren dort, die sich mit dem Thema beschäftigen, ob Bitcoin als Währung für virtuelle Welten geeignet ist oder nicht. Ihr Urteil fällt dabei unisono gleichsam vernichtend aus, Bitcoin ist ihrer Meinung dazu gänzlich ungeeignet, womit sie Recht haben. Das missfällt nun den Fanboys, die Bitcoin so hat, und folgerichtig haben sie sich dort einige böse Kommentare eingefangen.
Dabei ist der wirkliche und einfache Hauptgrund, warum Bitcoin gänzlich ungeeignet ist, in beiden Blogs nicht genannt und dabei ist er so simpel: die Mehrheit der Menschen will einfache Lösungen haben, die “out of the box” einfach funktionieren! Der L$ tut das, und andere virtuelle Währungen auch, Bitcoin dagegen muss man erst mühsam installieren und ohne bösartig sein zu wollen sage ich, dass die richtige Installation und Handhabung des dazu notwendigen Bitcoin-Clients viele einfach überfordern dürfte.
Schon daher ist es völlig ungeeignet, vom Rest ganz zu schweigen.
Ich empfehle der Einfachheit halber den Vortrag von dem Sicherheitsexperten Dan Kaminsky zum Thema Bitcoin, zu finden hier: http://www.slideshare.net/dakami/black-ops-of-tcpip-2011-black-hat-usa-2011 . Kaminsky ist kein Unbekannter, er hat beispielsweise den grundlegenden DNS-Fehler 2009 entdeckt und publiziert, ich gehe also davon aus der weiß, wovon er spricht.
Die Kurzfassung vom Vortrag ist: Bitcoin ist faszinierend, da ganze Klassen von Fehlern einfach fehlen würden und die ersten fünf Mal, wenn man denkt man habe es verstanden, man es in Wirklichkeit nicht verstanden habe. So ziemlich alle Fehler, die nicht vom Design her rühren würden, seien in Bitcoin behoben.
Kaminsky stellt aber auch fest, dass Bitcoin schlecht skaliert. Das rührt daher, dass jeder Node eine komplette History aller bisher gelaufenen Transaktionen vorrätig haben muss neben anderen Dingen. Es sei schon nicht mehr dann praktikabel, wenn Bitcoin die Menge an täglichen Transaktionen wie meinetwegen VISA bewältigen müsste.
Weiterhin ist Bitcoin nicht anonym. Der erste Node, der eine Transaktion im Netzwerk veröffentlicht ist auch immer der, der eine Transaktion anstößt und es ist möglich, das abzugreifen, indem man zu allen existierenden Nodes eine Verbindung aufbaut. Das wurde bereits erprobt, es funktioniert, man braucht nur einen guten Desktoprechner mit Python, mehr nicht. Dann kann es also mit etwas Aufwand zumindest einem Pseudonym zuordnen, allerdings sei der Audit Trail auch nicht alles.
Kaminsky nennt denn auch Bitcoin ein “Overlay-Netzwerk von dem Leute annehmen, dass es gewisse Eigenschaften besäße”, ich denke das trifft es ganz gut.
Gründe, warum Bitcoin für den genannten Zweck ungeeignet ist, sind einfach diese: das erste Mal, wenn man es installiert, braucht es sehr lange bis es mit dem Netzwerk synchronisiert hat, also betriebsbereit ist. Weitere gute Gründe liefert Kaminsky selber, vor allem aber sind die durchschnittlich 10 Minuten, die benötigt werden bis eine Transaktion durch ist, für eine virtuelle Welt absolut inakzeptabel.
Antworten zu Kaminsky: https://en.bitcoin.it/wiki/Talk:Scalability
Bitcoin ist nicht anonym, kann aber über TOR Netzwerk anonym gemacht werden.
Möglichkeit direkter Transaktionen: Green address Konzept: https://bitcointalk.org/index.php?topic=32818.0
Es gibt auch lightweight Clients (auch auf dem Smartphone). Wieso sollte das für virtuelle Welten nicht möglich sein?
Kaum ein Benutzer einer virtuellen Welt lädt zuerst gerne mal eben 200MB+ an Logdateien runter, nur damit das Teil dann überhaupt funktionsfähig ist. Alleine das ist ein Akzeptanzproblem. Auf dem Smartphone gibt es Frontends, die einen bitcoind bedienen können und vollwertige Implementierungen. Die brauchen dann auch das Log.
Dazu kommt dann ein weiteres Problem, wenn man sich Bitcoin anschaut: die endliche Geldmenge. Es wird ja irgendwann, wenn das System so weiterläuft, im Jahr 2033 vermutlich die maximale Anzahl von ca. 21 Millionen Coins geben. Virtuelle Welten mit ihren virtuellen Währungen leben von einer beispiellosen Preisstabilität.
Je mehr Leute aber Bitcoin nutzen, desto stärker verändert sich das Gefälle und umso häufiger müsste man die Preise anpassen. Auch das steht einem wirklichen Einsatz im Weg.
Bitcoin ist vor allem ein Konzept. Es beweist das eine dezentrale sichere Währung möglich ist. Das war davor nicht möglich und eröffnet viele neue Anwendungen.
Der Standard-Client ist natürlich aktuell nicht für den “Massenmarkt” konzipiert, dazu ist die Benutzbarkeit einfach noch zu schwach. Aber zukünftige Clients werden ohne Probleme funktionieren, wie man z.b. an Android Clients oder Webclients sieht. Ebenfalls für Normaluser wird die bitcoincard sein, welche eine kompakte Lösung für Normaluser in der “realen welt” liefern wird.
Das Zielpublikum des aktuellen Standard-Clients sind vor allem Entwickler die ebenfalls Bitcoin kompatible Software entwickeln.
Entwickler die sich mit der Integration von Währung in Computersysteme beschäftigen, sollten Bitcoin im Vergleich zu vielen anderen Varianten bevorzugen. Es gibt seinen User mehr Flexibiliät wenn sie mit Ihrem “virtuellen” Geld von einer Software in eine andere einfach wechseln müssen und nicht an künstliche Schranken stoßen, wie z.b. Facebook credits, WoW-Gold, oder die absurd hohen Transaktiongebühren von PayPal. Wird Bitcoin in z.b. ein Spiel integriert muss überhaupt nichts mehr “mühsahm installiert” werden. es ist einfach da.
Die Implementierung in der virtuellen Welt könnte wie ein lightweight Client funktionieren. Also muss die Logdatei (die Blockchain) nicht heruntergeladen werden.
Preisstabilität ist beim Dollar oder Euro nicht gegeben (Inflation) und somit auch nicht bei den jetzigen virtuellen Währung.
Im Moment ist die gesamte Ökonomie mit Bitcoins ein kleiner Markt und es gibt Schwankungen. Diese werden mit der Zeit weniger gross werden wenn der Markt (Anzahl Nutzer) steigt.
Richtig ist dass die Bitcoins in Zukunft (nachdem alle 21m Bitcoins kreiert sind) mehr Wert werden wenn die Ökonomie wächst (im Gegensatz zu Dollar oder Euro).
ich schreibe diese gedanken am ‘schwarzen mittwoch’ des bitcoin, ha, heute ist er massiv gefallen. nicht das erste mal, im juli 2011 war es auch schon soweit - der bitcoin fiel auf ein drittel seines wertes.
aber er hat sich wieder erholt. ein bitcoin ist unbestechlich. er wird nie bestechlich sein, ausser vielleicht in fiktiven zukunftswelten, wo quantencomputer das ungeheuerliche schaffen: die perfekte und vollendete mathematische infrastruktur des bitcoin zu knacken.
bis dahin hat der bitcoin ein alleinstellungsmerkmal gegenüber allen anderen währungen: fälschungssicherheit, inflationssicherheit.
die frage ist, ob der bitcoin es schafft, diese eigenschaften in einm ergonomischen produkt umzusetzen. das ist es doch, was vom TO bemängelt wird, zu recht übrigens.
der bitcoin ist jung. es wird einen entwicklungsprozess geben, vielleicht noch viele jahre. der glaube an die zukunft des bitcoin wird ihn fördern und die anzahl der der benutzer steigt tendenziell an. würden wir heute eine umfrage in einer deutschen fußgängerzone zum thema bitcoin machen, würde das ergebnis verblüffen - kaum jemand kennt ihn überhaupt.
dies ist für den bitcoin von vorteil: es zeigt das große potential möglicher benutzer, von denen immer mehr ihn benutzen werden - junge öfter als alte, technologen mehr als jemand der keinen computer hat. solche menschen gibt es.
Bitcoin hat erst dann eine Zukunft, wenn ich damit beim Bäcker um die Ecke meine Brötchen bezahlen kann.
Vorher ist er nur ein Kuriosum am Rande, eine Umweltverschmutzung ohnegleichen und eine riesige, immer mal wieder kollabierende Spekulationsblase.
Mehr aber auch nicht.
Und eine Währung, deren Geldmenge nicht beliebig regulierbar ist, die ist und bleibt ein Unding. Diejenigen, die von Anfang an dabei waren, die machen den großen Reibach und der Rest schaut in die Röhre.
Ohne die Konvertierbarkeit in reale Dienstleistungen, Waren und Währungen ist der Bitcoin übrigens witzlos.
Ich finde, Bitcoins sind nun gar nicht so neu, sondern nur eine alte Idee in einem neuen Gewand aber grundsätzlich dennoch ein alter Hut, nur die Implementierung ist eben neu.
Es gibt schon lange einen Bereich der Märkte, dessen Obermenge begrenzt ist, nämlich der Goldsektor. Gold ist nicht beliebig vermehrbar und bei der Struktur der Bitcoins diese eben so wenig, irgendwann ist einfach eben Schluss. Es wirkte aber neu genug, dass viele auf den Zug aufsprangen und sich die Bitcoins kauften. Diese Art von Schneeballsystem ist alt, das wurde im Finanzbereich schon immer so betrieben, seien es Aktien, Rohstoffe oder aber Währungen. Wichtig dabei ist, dass der letzte Käufer in der Reihe von Transaktionen nur nicht merken darf, dass er eigentlich der Dumme ist.
Im Englischen spricht man da auch gerne vom bigger fool, und Bitcoin zeigt, dass für Nachschub an diesen weiterhin reichlich gesorgt ist.
Nun, auch wenn im Prinzip in Bitcoin alle eigentlich gleichberechtigt sein könnten, so ist das doch inzwischen nicht mehr der Fall.
De facto gibt es inzwischen in Bitcoin so etwas wie Banken, und wenn die mal offline sind, dann hat das Netzwerk ein großes Problem. Die bekannteste ist dafür MtGox, die an diesem Wochenende wegen einer massiven DDoS-Attacke stundenlang nicht erreichbar waren.