Wie geil ist das denn? Offensichtlich lohnt es sich inzwischen, seinen Club offen mit “no Unheilig” als kernwaffenfreie Zone anzupreisen! Ich bin also nicht der Einzige, der den “Grafen” nicht mehr hören will noch hören mag…
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Da fehlt noch “no DSDS”, auch wenn das bei einem Gothic Club wohl überflüssig ist, aber es würde zumindest meine geplagte Seele beruhigen.
Ich werd mich mal in Schale schmeißen und da vorbeikommen.
Also spätestens dann, wenn Dieter-Thomas Kuhn auf einmal Lieder von Unheilig verwurstet wissen wir: es sind Schlager.
Ich finde, es ist inzwischen schon verdammt nahe am Schlager dran, ja - was nichts schlechtes sein muss. Die Frage ist aber: passt das noch zur Gruppe? Ich denke nicht.
Also eine gute Freundin von mir, die Unheilig-Fan der ersten Stunde ist, hat sich die neueste CD besorgt und ist davon enttäuscht. Im Vergleich zu früher vermisst sie doch einiges an Tiefgang in den Liedern.
Gut, man kann darüber nun trefflich streiten, ob das eine Folge des inzwischen eingetretenen Erfolgs ist - Unheilig ist Mainstream geworden, das sieht selbst der letzte Blinde mit dem Krückstock daran, dass der Graf auf Sat.1 als kurzes Filmchen läuft, wenn dort ein Werbeblock beginnt (!) - oder einfach nur die Band momentan ein wenig nachgelassen hat. Das werden wir so oder so nicht erfahren.
Für mich wird Unheilig einfach gerade tot genudelt - es gibt Gruppen/Lieder die kann man immer und immer wieder hören, andere dagegen nur in gewissen Dosen und Unheilig gehört für mich zu letzterem. Das ist wie “Last Christmas” von Wham, an und für sich ein schönes Lied, wenn mans in der Adventszeit aber jede Stunde im Radio hört, reicht es einem einfach irgendwann und man mag es nicht mehr haben.
Och, ich gönne jedem seinem Erfolg in der Musikbranche, immerhin ist das ein Geschäft voller Haifischbecken und die Plattenfirmen pressen ihre Bands aus wie nur was, so dass die froh sein müssen, wenn sie davon überhaupt noch leben können. Das Geld holen die sich dann ja meistens auf den Tourneen ab, so ist das ja nicht.
Es ist auch normal, dass sich Künstler weiter entwickeln und verändern, manche machen das ja sehr radikal, wie beispielsweise seinerzeit Bob Dylan.
Die Frage ist nur, ob es eben bei all den Änderungen der Band gelingt, ihre ursprüngliche Fanbase mitzunehmen oder nicht. Ob UH nun Gothic war oder nicht ist wohl niemals richtig feststellbar, da die Goths selber sehr zerfasert und zersplittert sind. Für mich ist es aber klar, dass UH durch deren Szene groß geworden ist.
Wenn eine Band den Produzenten wechselt kommt es zu Änderungen, klar, das ist dann ja sogar oft gewünscht, ebenso wenn sie die Plattenfirma wechselt. Nur wenn sie denn von einem Independent Label beispielsweise zu einem Major Label wechselt ist es so, da winkt einerseits das große Geld, andererseits geht aber häufig dabei auch die bisherige, ursprüngliche Freiheit großteils verloren. Gewisse Sachen können/dürfen nicht mehr thematisiert werden und sie wird auf Stromlinienform getrimmt, um bessere Umsätze erzielen zu können.
Das ist es dann ja, was viele als Kommerzialisierung bezeichnen. Es gibt durchaus Bands, denen es gelungen ist, trotz eines Wechsels zu einem Major Label weiterhin ihre eigene Identität erhalten zu haben und davon (anfangs) nichts eingebüßt zu haben, so dass auch deren Fanbase zufrieden gewesen ist, wie R.E.M. Die Band Nirvana damals von Kurt Cobain hasste den Kommerz auch wie der Teufel das Weihwasser und war darauf bedacht, genau das eben nicht zu verlieren.
Bei Unheilig ist es eben so gelaufen, dass die Band mehr Erfolg denn je hat, aber ihre ursprüngliche Fanbase großteils nicht mitnehmen konnte. Der Erfolg hat die Band einfach verändert, ihre Auftritte, Lieder und Singweise, und manche Fans - man muss es ja nur hier nachlesen - können mit der Formation in der Jetztform nicht mehr viel anfangen.
Ansonsten ist es so, wie Kokoro schon sagte - ab und an mal Schokolade essen ist gut, aber wenn man nur noch Schokolade ist, hängt es einem irgendwann zum Hals raus.
Unheilig ist gerade nichts anderes als eine fette, vor Milch triefende Kuh, die von der Industrie nun gnadenlos abgemolken wird, wobei damit die Band natürlich auch genug davon hat - nur ist die Milch erstmal draussen, dann wird sie wieder aufs Abstellgleis gestellt werden und die Band kann dann entweder von dem bisher gemachten Geld gut leben oder aber sie hat ein Problem, das darin besteht, dass sie sich ihrer ursprünglichen, aber inzwischen großteils entfremdeten Fanbase erst wieder annähern muss, wenn sie denn weiterhin bestehen will.