Warum eigentlich funktioniert keine Gruppe auf Dauer ohne Vorturner?

Ich habe mich heute mit einigen Leuten unterhalten, die bei RP-Gruppen in SL in der Verantwortung stehen. Dabei ist das Credo überall dasselbe, nämlich wenn man sich nicht ständig dahinterklemmt und für die eigenen Leute den Vorturner gibt, dann geht die Gruppe früher oder später einfach ein. Das liegt daran, weil viele lieber konsumieren als aktiv partizipieren, um so zum gemeinsamen Konsum beizutragen.

Dass dem so ist, kann man an allen Ecken und Enden sehen, das ist nichts Neues, es passiert ständig, hier, heute und in der Zukunft überall. Scheinbar ist das eine fundamentale Eigenschaft des Menschen.

Aber es wirft doch die Frage auf: warum ist das so? Warum geben sich viele Menschen in Second Life nicht mündiger als irgendwelche Kleinkinder, bringen alleine nichts auf die Reihe, wollen ständig an der Hand genommen und bemuttert werden, als wären sie noch genau in dem Alter? Ist das einfach die Konsummentalität vieler Menschen, also man will das Stroh ernten aber nicht bei der Aussaat dabei sein? Oder kommt das daher, weil sie sich sagen, sie arbeiten im wirklichen Leben bereits mehr als genug und in Second Life wollen sie dann einfach nur mal rundum abschalten?

Oder liegt es mehr daran, dass Teamarbeit ein hehres Ideal ist, was in Second Life aber nur selten funktionieren kann wegen der fehlenden sozialen Nähe zum Gegenüber, und so meistens über kurz oder lang viele Teams im Streit auseinander gehen?

Irgendwie habe ich bisher auf diese Frage keine passende Erklärung für mich gefunden; ich weiß nur, dass es eben so ist und muss es als Fakt akzeptieren. Ich wünschte, es gäbe eine einfache Erklärung dafür, dann hätte man auch etwas an der Hand, wie man so etwas einfach ändern kann - aber gibt es diese? Kann es diese überhaupt geben, wo das Leben meistens ja alles andere als einfach ist? Fragen über Fragen...

19 thoughts on “Warum eigentlich funktioniert keine Gruppe auf Dauer ohne Vorturner?

    1. Bartholomew Gallacher

      Ja, aber warum sind sie so im RL? Ich habe da noch immer keine Ahnung, aber die Masse will wohl eben passiv berieselt und unterhalten werden.

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  1. Indira

    Also meiner Meinung nach verhalten sich die Menschen in SL eben nicht wie im RL. Zumindest eine grosse Mehrheit nicht. Ich glaube nämlich, dass wenn sie es täten, dieses Problem nicht auftreten.

    Im SL wollen sie *Spass* konsumieren, um jeden Preis. Solang es noch eine so grosse Auswahl gibt, bekommen sie den ja auch. Turnt der, auf der aktuellen Sim nicht mehr rum und sorgt dafür, dass andere Spass haben und nimmt sie an die Hand, dann wird halt woanders hingegangen, wo es noch klappt.

    Natürlich sind das nicht alle, aber nur so kann ich mir eigentlich erklären, dass auf den meisten Sims ein harter Kern bleibt, während viele andere immer mal hin- und herwechseln, je nachdem wo grad von anderen dafür gesorgt wurde, dass genug *Spass* da ist.

    Im RL funktioniert diese Methode meiner Meinung absolut nicht.

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  2. Sura

    Das weiss ich auch nicht, warum viele Menschen so sind. Vielleicht trauen sie sich nicht und wollen keine Verantwortung für irgendwas übernehmen oder sie haben Angst, Fehler zu machen und dann bestraft zu werden oder sie sind zu schüchtern oder zu träge.

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  3. Zita

    Hallo Barth,

    das ist eine gute Frage, über die ich auch schon viel Nachgedacht habe. Zwei Punkte würde ich hier gerne kommentieren. Erstens:

    "Warum geben sich viele Menschen in Second Life nicht mündiger als irgendwelche Kleinkinder, bringen alleine nichts auf die Reihe, wollen ständig an der Hand genommen und bemuttert werden, als wären sie noch genau in dem Alter?"

    Gerade das stimmt nicht. Kleinkinder stellen bzgl. RP teilweise wesentlich mehr auf die Beine als Erwachsene in SL! Nimm zwei/drei Kleinkinder stell in die Mitte eine Kiste Lego/Playmoblie etc. und die können meistens innerhalb kürzester Zeit bestes RP hinkriegen, und sind über Stunden beschäftigt. Klar gibt es auch Streit. Dann hauen sie sich ihre Figuren mal um die Ohren, vertragen sich dann aber auch wieder. Es gibt aber selten solche ewig Dramen, wie sie in SL leider zu häufig immer wieder vorkommen. Aber Kinder nehmen das alles nicht so furchbar ernst, wie es Erwachsene halt immer gerne tun. Und das halte ich für einen Punkt, warum es in SL häufig so schwierig ist. Viele nehmen sich und ihre Mitmenschen einfach zu ernst, und ihnen geht die Leichtkeit abhanden.

    Der Zweite Punkt, den ich für wichtig halte ist folgender:

    "Oder liegt es mehr daran, dass Teamarbeit ein hehres Ideal ist, was in Second Life aber nur selten funktionieren kann wegen der fehlenden sozialen Nähe zum Gegenüber, und so meistens über kurz oder lang viele Teams im Streit auseinander gehen?"

    Das halte ich persöhnlich für den wichtigsten Grund. Klar, gibt es immer und überall Vorturner und Mitläufer. So funktionieren halt soziale Strukturen. Wenn es nur Vorturner geben würde, würde auch nichts funktioniren. Aber zu sagen, in SL sei es wie in RL, ist meiner Meinung nach falsch. Denn im RL funktioniert es ja definitiv Teams auch langfristig zusammenzustellen und mit diesen etwas auf die Beine zu stellen. Ob es Sport-, Gesangs-, Briefmarkensammelvereine oder private Kochgruppen sind. Gerade Deutschland hat eine extrem ausgebaute Vereinskultur. Ich selber war mal in einer kleinen Malgruppe tätig, wo die Gruppe sich ein eigenes Atellier gemiete hatte. Da ging es um mehr Kosten, als was so eine RP-Welt in SL kostet. Und das Dramapotential war eigentlich nicht existent. Aber jede Gruppendynamik ist einfacher, wenn man Menschen direkt gegenüber steht. Die meiste Information wird halt doch non-verbal ausgetauscht.

    Nun, soweit meine 2 Cent.

    LG Zita

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  4. Gerd

    Weißt du Bart, auch wenn ich wahrscheinlich damit nerve, aber die Erfahrung habe ich auch im LARP gemacht. Es ist also kein reines SL-Phänomen. LARPs udn auch Rollenspiel in SL leben eigentlich von den Plotts der Spieler und wenn du irgendwann nur noch Spieler hast, die bespaßt werden wollen aber selber keine eigene Initiative zeigen, wird es anstrengend und das Hobby wird zum Stressfaktor.

    Dann hört man irgendwann auf, die treibende Kraft zu sein und zieht sich zurück und das Endergebnis ist dann der Tod dieser Gruppen.

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  5. Mel

    Wer sagt eigentlich, dass die "Vorturner" _immer_ die Guten sind?

    Sind es nicht _manchmal_ auch diejenigen, die vieles an sich reißen, sich in den Mittelpunkt stellen und andere abdrängen? Ist es dann nicht selbstverständlich, dass dann ohne sie vieles nicht mehr funktioniert?

    Ich will damit nicht sagen, dass es gut ist, wenn manche "sich kümmern", ich wollte nur einen weitern Aspekt zur Diskussion hinzufügen.

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      1. Gerd

        Ja ich weiß was du meinst und die gibt es auch zu genüge aber ich glaube schon, dass die andere Variante eindeutig überwiegt.

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  6. Lady Kokoro Swansong

    Einen Vorturner brauchst du in einer Gruppe immer, Bart. Das erleben wir Tagtäglich. Aber ich erlebe es auch, dass wir uns im SL extrem auf die Leitung eines Sims verlassen. Erst gestern musste ein Freund von mir bis 4 Uhr morgens Online bleiben, weil die Teleporter auf seinen Sims nicht funktioniert haben und die Leute sich beschwert haben und meinten, dass er sich sofort zu kümmern hätte.
    So ein Verhalten verstehe ich auch nicht. Die Admins sind natürlich gerne für ihren Sim und ihre Mitspieler da, aber diese müssen sich vor Augen halten, dass der Admin für seine Arbeit nicht mit einem Entgelt rechnen kann. Keiner von den Nutzern zahlt Beiträge für den Club. Trotzdem wollen sie einen 24 Stunden Dienst und wehe sie bekommen ihn nicht. Dann sind sie schnell weg. Rücksichtnahme gibt es also kaum in SL, wenn es um etwas geht, dass man will. Wir sind leider daran gewöhnt in SL verwöhnt zu werden. Da wundert es mich kein Stück, wenn Admins das Handtuch schmeißen, oder auch mal sehr stinkig werden. Die Nutzer selbst machen sich damit ihr SL kaputt und sehen es kaum ein.

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  7. Cori Panthar

    Menschen wollen in SL und RL einen Vorturner haben. Das shiet man alleien daran wieviele Menschen ausrasten nur weil Michael Jackson stirbt.
    Die entscheidende Frage ist: Wie schaffen wir es die Vorturner die wir haben richtig zu verteilen, so dass jeder was davon hat, und sie zu halten, so dass sie auch weiter vorturnen?

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  8. Luc

    Es gibt zwei Gruppen von Menschen. Macher und Lasser. Die eine steht auf der Bühne, die andere davor. Die eine hängt Bilder an Wände, die andere sieht sie an. Die eine macht CDs, die andere hört sie an. Die Gruppe der Konsumenten ist weitaus größer als die der Produzenten. Wer sich abends vor den Fernseher haut, ist ein einer Konsumhaltung. Wer sich vor den PC hockt ist es ebenfalls - es sei denn, er bezieht seine Entspannung aus Kreativität und gehört zur Mindergruppe. Der Rest wartet - frei nach Kurt Cobain: „Here we are now, entertain us“. Das muss man so akzeptieren. Es wird sich nicht ändern.

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  9. Justin

    Nur das im Unterschied zur realen Welt die Macher und nicht die Lasser das Ganze zahlen dürfen :)). Das muss mal angemerkt werden.

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  10. Tharkan

    Hmm....ich würde Luc nur ganz geringfügig korrigieren bzw. ergänzen wollen:

    Es gibt, in SL wie auch in RL, 3 Gruppen. 20% Bodensatz der Gesellschaft, zu blöd zum leben und zu laut zum sterben, 60% die ihr Leben hüben wie drüben so grad eben alleine geregelt kriegen, und schlußendlich 20% die sich Gedanken machen wie sie ihr Leben optimiert gestalten können unddabei auch gleich für den großen Rest mitorganisieren.

    Meist, aber durchaus nicht durchgängig, sind die Menschen in SL und RL in der jeweils gleichen Gruppe zu finden.

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    1. Mel

      Tharkan, böse! Darf ich widersprechen? Oder dich etwas fragen?

      In welche Schublade tust du die Leute, die früher mal "sich gekümmert haben" und das aus verschiedenen Gründen nicht mehr tun. In die mittlere?

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      1. Tharkan

        Das ist nicht "böse", das ist die Realität. Ich gestehe allerdings: Es ist kaum politisch korrekt.

        Ich würde allerdings ungern von Schubladen sprechen. Es ist quasi unmöglich eine strikte Abgrenzung vorzunehmen und schon gar nicht handelt es sich um ein starres Bild. Ich kann (von der Verhaltensweise her) heute zu den 60% gehören, morgen zu den unteren 20% und übermorgen aufgrund eines wie auch immer gearteten Anreizes zu den oberen 20%. Verhaltensweise und die Qualität meines Verhaltens müssen nicht unbedingt eins sein.

        Wie immer bei solchen Diskussionen kann es nur um Tendenzen gehen, und wie immer bestimmen Ausnahmen die Regel.

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        1. Mel

          @Barth, warum hast du eigentlich keinen "Quote"-Button mehr?

          @Tharkan
          "Wie immer bei solchen Diskussionen kann es nur um Tendenzen gehen, und wie immer bestimmen Ausnahmen die Regel."

          Was du vorher oben schriebst, klang für mich nach /wer keine eigene RP-Sim hat oder sich als OOC-Admin "mitkümmert", gehört zu den 80%, die ihr Leben kaum oder gar nicht in den Griff bekommen/ Das wollte ich nicht unwidersprochen lassen.

          Nun bin ich wieder ganz friedlich^^

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